Vorhaben

Wie schafft man kollegiale Unterstützung?

Beim Blick über den Tellerrand erkennt man schnell, dass andere Strukturen längst weiter sind. So gibt es im Rettungsdienst und bei den Feuerwehren wissenschaftlich begleitete Unterstützungssysteme.

Das Peer-System

Der Gedanke des Peer ist der entscheidende Ansatz. Der Peer ist "Gleicher unter Gleichen", "spricht die Sprache der Kollegen vor Ort", ist bekannter Ansprechpartner als niederschwelliges Angebot und dient nicht zur Therapie, sondern zur frühzeitigen Erkennung von Risikoverläufen und als Schlüssel in das dahinter stehende, aufzubauende Netzwerk aus psychosozialer Unterstützung.
Das modifizierte CISM-Konzept (Critical Incident Stress Management) eingebunden in die Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen (SbE) ist im Bereich der Rettungsdienste und Feuerwehren wissenschaftlich erwiesen. Auf Betreiben des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) wurden in einer Konsensuskonferenz zur Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) klare Standards entwickelt, die für die

Ausbildung von Peers sinnvoll und verbindlich sind.
Die Situation der Straße kann aber nicht eins zu eins auf die Kliniken übertragen werden und bedarf der Modifikation und Anpassung an andere Rahmenbedingungen.
Durch die Peer-Struktur haben die Mitarbeiter selbst die Möglichkeit aktiv zu werden und ihren eigenen Arbeitsplatz mitzugestalten. Durch qualifizierte Schulungen adaptiert an ihr Arbeitsumfeld erwerben sie für sich selbst psychosoziale Kompetenzen. Die neuen Kompetenzen können sie für sich, ihr direktes Arbeitsumfeld und auch segensreich im Umgang mit den Patienten und Angehörigen einsetzen. Hier besteht die Chance nicht nur sekundär präventiv, sondern auf Dauer auch das Klima für die noch wichtigere primär präventive Arbeit zu bereiten.

THEMEN SIND:

Krisenintervention

Stressbewältigung

Gesprächsführung, Kommunikationstraining

Psychosoziale Beratung

Konfliktmanagement und Mobbing

Niederschwellige Anlauf- und Koordinierungsstelle

Eine weitere Aufgabe des Projekts soll sein, eine Anlaufstelle für psychosoziale Betreuung einzurichten. Hier wird die Arbeit der Peers koordiniert, die Auswahl der Kollegen getroffen und ihre Aus- und Weiterbildung gewährleistet. Diese Stelle kann ebenso subsidiäre Unterstützung für Führungskräfte in der Wahrnehmung ihrer Fürsorgepflicht sein. Die bisher völlig vernachlässigte Begleitung von Kollegen bei juristischen Auseinandersetzungen soll hier ebenfalls angesiedelt sein.
Eine der größten Ängste gerade in der Akutmedizin ist und bleibt,

dass Situationen auftreten in denen schutzbefohlene Patienten zu Schaden kommen mit oder ohne erkennbarem Fehler der Agierenden. Als Folgen können oft langwierige juristische Aufarbeitungen entstehe, in der der Mitarbeiter in seiner schwersten Stunde vom Arbeitgeber keine Unterstützung erfährt.
Parallel soll für Berufseinsteiger eine Basisschulung stattfinden zum Erlernen von Stressbewältigungsstrategien, Achtsamkeit, Entspannungsverfahren, Heranführen an Balintgruppen und Supervision.

DIE ZEIT IST REIF,

SICH UM DIE RESSOURCE „MENSCH“

IN DIESER ARBEITSSTRUKTUR

PRÄVENTIV ZU KÜMMERN!

Dabei reicht es nicht aus, oberflächlich hinzuschauen und es bei Lippenbekenntnissen und Feigenblattaktionen zu belassen oder angesichts der Komplexität in Resignation zu verfallen. Es geht darum, in allen Berufsgruppen den mündigen Mitarbeiter als höchstes Gut anzuerkennen, ihn mit der Möglichkeit der

Mitgestaltung zu motivieren, ihn zu unterstützen Copingstrategien zu stärken und eigene Ressourcen wieder aufzubauen. Gestärkte, gesunde Ärzte und Pflegekräfte sind letztlich das Aushängeschild einer Klinik, sind leistungsfähiger und durch ihre positive Arbeit Voraussetzung für zufriedene und gut versorgte Patienten.

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